ME AND MY FRIENDS: Verveine (Detail), 2017
tête Projektraum Berlin, 2017 Installationsfoto: Andreas Wassermann
ME AND MY FRIENDS: Elfe und Black Ice Meth, 2017

Me and My Friends

Installation, 2017
glasses, epoxy resins, color, varnish, cocktail accessories, black coated glass plate, digital poster prints

"Me and My Friends" untersucht anhand von Glasobjekten die Thematik von Oberfläche und Verführung. Die Installation besteht aus einem Arrangement einzelner Arbeiten, die abhängig von der Raumsituation gewählt werden. Der Ausstellungsraum "tête" zeigt eine Auswahl verschiedener Glasobjekte (2017).

The installation "Me and My Friends" deals with the relation of surface and seduction. It consists of an arrangement of individual works, in particular glass objects. Selection and combination of works change according to the architectural situation of the showroom.
The installation view at Berlins showroom "tête" shows a compilation of various glass objects (2017).

MOTHER'S MILK (2017), glass, epoxy resins, color
YOU AND I (2017), two wedding flutes, epoxy resins, color, cocktail straw
PORKY PIG (2017), glass, epoxy resins, color, cocktail umbrella
BLACK ICE METH (2017), glass, epoxy resins, color
ELFE (2017), glass, epoxy resins, color
FIN (2017), glass, epoxy resins, color, cigarette butts
BOOBS (2017), two balloon glasses, varnish
CHARLOTTE (2017), glass, epoxy resins, color, cigarette butts

Die Installation „Me and My Friends“ (2017) besteht aus farbigen Glasplatten, Tischgestellen, Sockeln, aus mit gefärbtem Epoxidharz gefüllten Gläsern und Cocktailaccessoires. Die Bestandteile der Installation und die Anzahl der Gläser variieren und orientieren sich am Ausstellungsraum.

Die grellbunten Glasobjekte der Installation sind an die kunstvollen Cocktail-Kreationen der 1980er und 90er Jahre angelehnt und nehmen Bezug auf deren ästhetisches Potenzial. Versuchten die Getränke ein typisches Lebensgefühl über die Namensgebung zu transportieren, so führen die Titel der Glasobjekte der Installation dies ironisch weiter.
„Me and My Friends" greift den Typus des Vanitas-Stilllebens auf. Wie in der barocken Stilllebenmalerei entstammen die dargestellten Objekte dem Alltag und versprechen Genuss, Lust und Exzess. Die „Cocktail-Simulationen“ werden zu optisch reizvollen gläsernen Requisiten, die durch ihre Materialität jedoch nicht der Vergänglichkeit anheimfallen können. In ihrer Zusammenstellung erinnern die farbigen Gläser an die Reste einer rauschenden Party, wirken jedoch in ihrem snapshothaften Arrangement seltsam erstarrt und inszeniert.

Die Installation untersucht eine zeittypische artifizielle Ästhetik, die auf der klinischen Perfektion der Oberfläche beruht und stellt eine Verbindung zu zeitgenössischen pornografischen Darstellungsweisen her. Entsprechend der Präsentation perfekter Frauenkörper inszeniert die Installation ein „Produkt“ in seiner überhöht stilisierten Materialität und reflektiert Begriffe wie Konsumierbarkeit, Verführung und Künstlichkeit. Die skulpturale Arbeit bedient sich dem typischen Farb- und Formenspektrum hyperrealistischer pornografischer Darstellungsroutinen. Die Aneignung der formalen Kriterien und deren Übertragung auf ein alltägliches Sujet ermöglicht Rückschlüsse auf sich wandelnde Sehgewohnheiten und ästhetische Präferenzen. Entsprechend der Bilder aus der heterosexuellen Mainstream-Pornografie stößt der Betrachter der Gläser auf ungreifbare, nicht konsumier- und erfahrbare, distanzierte Abbilder, die wie leere Versprechungen wirken und als symbolische Platzhalter für reale genussvolle Erlebnisse stehen. Durch die Macht der Inszenierung wird ein sauberes, geruchloses Abbild der Realität erschaffen, an dessen Oberfläche der Blick haltlos abgleitet.

Der Arbeit voran geht die fotografische Serie "The Real World" (2009), die auf pornografisches Bildmaterial aus Print- und Onlinemedien rekurriert und diese durch das Hinzufügen realer Objekte verfremdet. Die Fotografien entstanden während eines Stipendiums in Los Angeles, dem Zentrum der amerikanischen Pornofilmindustrie. Sie werfen die Frage auf, inwieweit Pornografie als Massenware der modernen Konsumgesellschaft auch deren ästhetische und geschlechtsspezifische Sichtweise beeinflusst. „The Real World“ analysiert Pornografie hinsichtlich formaler Mittel wie Ausschnitthaftigkeit, Farbgebung, Artifizialität und Stilisierung. Anhand gängiger pornografischer Darstellungsmittel, wie etwa der bildlichen Zerstückelung des weiblichen Körpers und direkter, appellativer Visualisierungen, wird das in der Branche vorherrschende Frauenbild reflektiert. Die perfekten, normierten, in extremer Nahaufnahme inszenierten Körperteile täuschen eine Authentizität vor, die in der Fotoserie durch die Kombination mit realen Objekte entkräftet wird. Bei diesen handelt es sich um alltägliche Gegenstände (Batterien, Stifte, Obst, Topflappen...). Sie beziehen sich ironisch auf die dargestellte Szene und entschärfen die Brutalität, die der pornografischen  Darstellungsweise innewohnt. Die parodistische Aneignung und Umcodierung männlich geprägter Pornografiecodes stellt deren „Funktionsweise“ heraus und führt im Sinne von Elisabeth Bronfen zu einer neuen, subversiven, weil weiblicheren Kunstsprache.

In ausgewählten Ausstellungen wurden auch Teile der Fotoserie in Kombination mit der skulpturalen Installation "Me and My Friends“ gezeigt.

ME AND MY FRIENDS (2017), Installation & THE REAL WORLD (2009)

„Im post-pornografischen Blick ist die Sexualität zerfallen. Die Naheinstellung fetischisiert nicht mehr, sondern dokumentiert die Fremdheit“ (Veronika Rall, Bezug nehmend auf Georg Seeßlen)